Test

Exakte Abbilder

4. März 2017

Nubert NuPro A-200

Mehr und mehr verwenden wir unsere Rechner, Tablets und Phones als Musikcenter. Kopfhörer für unterwegs sind okay, doch zuhause wollen wir vollen Sound. Gute aktive Lautsprecher müssen her!

Aktive Lautsprecher, also Lautsprecher mit eingebautem, konstruktions-optimiertem Verstärker, werden immer beliebter. Früher waren sie vor allem in Aufnahmestudios und im Homerecording-Sektor zu finden. Heute verhelfen sie, dank vielseitigen Anschlussmöglichkeiten, unseren digitalen Alltagsbegleitern zu gutem Klang.


Die nuPro A-200 des deutschen Herstellers Nubert sind zwar grundsätzlich nicht neu, wurden jedoch mit der zusätzlichen USB Stromversorgung, die auf eine einfache und kostengünstige Art Wireless ermöglicht, noch attraktiver. Doch beginnen wir von vorn.

Die USB-Stromversorgung neben Netzbuchse und -schalter.

Das wichtigste: Der Klang!

Lautsprecher können in ihren technischen Möglichkeiten noch so ausgefeilt und vielseitig sein, wenn der Klang nicht stimmt, sind sie nicht viel wert. Idealerweise eignen sich gute Lautsprecher für alle Musikarten, lassen einen die Musik räumlich erleben und geben die einzelnen Instrumente möglichst natürlich wieder.


In meiner musikalischen Laufbahn habe ich mich (vor allem im Aufnahmestudio) an lineare Lautsprecher gewöhnt und schätze deren unverfälschte Wiedergabe, die jedoch auch Probleme in der Aufnahme schonungslos aufzeigt.


Natürlich hängt die Beurteilung der Lautsprecher, resp. deren Wiedergabequalität von den räumlichen Bedingungen ab. Im weiteren spielt der Verwendungszweck ein wesentliche Rolle. In diesem Test soll nur auf stereophonen Musikgenuss eingegangen werden, und zwar im Nearfield-Bereich. 

Der 150 mm Tieftöner mit der Polypropylenmembran

Können die nuPro A-200 von Nubert, der Firma mit dem Slogan «Ehrliche Lautsprecher», meinen Anforderungen und Erwartungen gerecht werden? Ich war gespannt.


Um ein objektives, respektive vergleichbares Urteil abgeben zu können, verwende ich seit Jahren die gleichen Quellen. Um z.B. die saubere Wiedergabe von schnellen, tiefen Klängen beurteilen zu können, dient mir der rhythmische Start von Pauke und Congas (nach dem Gitarrenintro) von «Hotel California» der Eagles, die Live-Aufzeichnung auf der «Hell Freezes Over»-CD – und dies in verschiedenen Lautstärken.


Nach eingehenden Hörtests, die das gesamte Musikspektrum, von Jazz bis Orgelkonzert, von Rock über Solopianoetüden bis Symphonien umfasste, ist mein Verdikt klar: Die A-200 geben alle Musikarten ehrlich, transparent und gradlinig ab. Die Bässe – bei dieser Lautsprechergrösse oft ein Schwachpunkt – kommen sauber, klar und kräftig rüber, ein Subwoofer ist für meinen Geschmack nicht notwendig, würde jedoch möglicherweise Hardrock- und/oder Orgelfans den letzten Kick verleihen (sofern man in seinen Räumen die notwendige Lautstärke erzeugen darf).

Der 25 mm Hochtöner (Seidengewebekalotte) befindet sich hinter einem Schutzgitter

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Die A-200 von Nubert erreichen mich im Doppelkarton, darin ist jede Box nochmals einzeln sorgfältig verpackt. Da sowohl die Lautsprecher selbst als auch das Display schwarz sind, wählte ich für mein Testpaar als Glanzlackfarbe Schwarz (die Boxen sind auch in Weiss erhältlich).


Beide A-200 kommen vollständig ausgerüstet mit einer magnetischen Frontabdeckung, Netz- und Verbindungskabeln, der Fernbedienung (inkl. Knopfzelle) und 12-seitiger Bedienungsanleitung mit Schnellstart-Blatt. Dieses weist auf die Anschlussmöglichkeiten hin und darauf, dass der linke Lautsprecher die Masterbox ist, der rechte Lautsprecher via beiliegendem S/PDIF-Kabel mit dem linken verbunden wird.

Das Anschlusspanel auf der Rückseite der A-200

Die Nubert-Box bietet viele Anschlussmöglichkeiten: Analog (asymmetrische Cinchbuchsen), digital (S/PDIF optisch = toslink und elektrisch = cinch) sowie USB.

Der analoge Anschluss verfügt über eine Eingangsempfindlichkeit von 300 mV, die in der Werkeinstellung automatisch der Quelle angepasst wird. Über den «link»-Ausgang wird, wie oben erwähnt, die rechte Box (S/PDIF in) angeschlossen.

Eine weitere Buchse dient dem möglichen Anschluss eines Subwoofers.

Natürlich benötigt die A-200 auch einen Netzanschluss (2-m-Netzkabel liegt bei). Durch den Wippschalter (siehe Bild 2) kann die Box vollständig vom Netz getrennt werden.

Installation

Obgleich ich mich genau an die Vorgaben der Bedienungsanleitung hielt und die Boxen zuerst verkabelte und erst danach mit dem Netz verband, klappte das mit der automatischen Installation bei mir nicht so recht. Doch nach wenigen Minuten Handbuchstudium und dem Anwählen von «default» im Menü waren meine Boxen im «Pair»-Modus und einsatzbereit.


Hier kommt mein erster Vorbehalt: Alle mitgelieferten Anschlusskabel (ausser dem SP/DIF-Link-Kabel, das 3 m lang ist) sind nur 1,5 m lang, was in meinem Fall nie und nimmer weder für einen analogen noch digitalen noch USB-Anschluss reichte, ist die Distanz von meinem Mac Pro zur linken Boxe Luftlinie 2 m. Ideal wären also etwa 3 m lange Kabel.

Das mitgelieferte Zubehör: Anschlusskabel und Frontabdeckung

Und wenn wir schon bei Wünschen an Nubert sind: Die unten an den Boxen angebrachten Gummifüsschen sind praktisch, aber minimal. Etwas grössere Unterlagen, die mögliche Resonanzübertragungen noch effizienter vermeiden helfen, würden den Lieferumfang meines Erachtens nach perfekt abrunden.

Aussergewöhnlich

Es gibt (soviel ich weiss) kaum Lautsprecherboxen, die auf der Front über ein Display und ein Menu-Kreuz verfügen. Das ungewohnte Display war ein Grund, dass ich mich zuerst visuell an die Boxen gewöhnen musste. Doch nun möchte ich die einfache und übersichtliche Bedienung über die Fernbedienung mit der Display-Rückmeldung nicht mehr missen.


Das Display kann im Menu auch ausgeblendet werden, d.h. es erlischt 8 Sekunden nach der letzten Bedienung. Und im Pair-Modus ist ohnehin nur das Display der linken Masterbox aktiv, dasjenige der rechten Box zeigt nur noch das Logo nuPro an. Persönlich mag ich die visuelle Bestätigung, dass beide Boxen aktiviert sind, doch es ist gut, dass man seine Vorliebe wählen kann.

Das Display mit dem Menü-Bedienkreuz.

Der Kompatibilität zuliebe

Etwas überrascht war ich, als ich feststellte, dass der USB-Eingang nach der doch schon etwas angegrauten USB-1.1-Norm ausgelegt ist, der mit 16 bit/48 kHz keine HiDef-Auflösungen ermöglicht. Man wolle so die Kompatibilität zu sämtlichen Rechnertypen und Betriebssystemen sichern, wurde mir auf Rückfrage erklärt. Und über die beiden S/PDIF-Anschlüsse seien 24 bit/96 kHz möglich.


Eigentlich schade, denn viele A-200 Interessenten, die HiDef-Audiodateien downloaden oder streamen, haben bestimmt aktuelle Betriebssysteme und Rechner, die sogar bis 24 bit/192 kHz auflösen könnten, jedoch über keinen digitalen Audioausgang verfügen, also Audio nur über den (meist zweitklassigen) analogen Ausgang oder eben USB ausgeben.

nuFunk

Wie schon eingangs erwähnt wurde den A-200 eine Stromversorgungsbuchse spendiert, die den direkten Anschluss der nuFunk-Kästchen ermöglicht. Die maximale Stromstärke von 5V/1000 mA ist grosszügig bemessen. Wenn man im Pair-Betrieb das mitgelieferte S/PDIF-Kabel verwendet, genügen ein SU-1-Sender und ein EU-1-Empfänger, um die Lautsprecher kabellos mit einem PC zu verbinden.

Gibt es zu jeder Box separat: Die handliche Fernbedienung.

Kein Zwischenhandel

Nubert Produkte erhält man nur von Nubert in Deutschland direkt. Das bedeutet, dass die Preise für die Schweiz nicht fix sind, sondern Kursschwankungen zum Euro unterliegen. Da die Deutsche Mehrwertsteuer (momentan 19%) wegfällt, jedoch Transport und Verzollungskosten (inkl. Schweizer MWSt) dazukommen, kann man sich so ziemlich an den Deutschen Preisen orientieren. Den definitiven Tagespreis erfährt man am einfachsten per Telefon.


Dies bedeutet jedoch auch, dass Servicearbeiten (während und nach der Garantiezeit von 2 Jahren) ebenfalls in Deutschland durchgeführt werden müssen, was für den Verbraucher etwas komplizierter und möglicherweise kostspieliger sein wird. Auch die Telefon-Hotline ist nur in Deutschland kostenfrei.

Meine Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass der E-Mail Kontakt sehr gut funktioniert.

Die A-200 im Grössenvergleich mit einem Bundesordner

Fazit

Die Nubert A-200 bietet nicht nur für ihre Grösse hervorragenden, räumlichen und natürlich wirkenden Klang. Zudem ist sie sauber gefertigt, einfach in der Bedienung und all das bei einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. 


Jeder muss für sich selber entscheiden, ob der etwas in die Jahre gekommene USB-Anschluss genügt, doch dies ist (neben den zu kurzen Anschlusskabel) die einzige Einschränkung für meine ansonsten uneingeschränkte Empfehlung.