Test

Reisebegleiter

12. September 2011

Panasonic HM-TA20 und HX-DC10

Aus Camcorder werden Mobilkameras, die Video in Full HD aufzeichnen. Können die wirklich gleich viel wie mein 10 x schwererer und 8 x teurerer Camcorder? Zwei völlig verschiedene Modelle von Panasonic warteten auf mein Urteil.

Zwei völlig verschiedene Full HD-Mobilkameras von Panasonic soll ich in einem einzigen Test vorstellen und beurteilen. Auf den ersten Blick ist das einzig Gemeinsame, dass sie klein, handlich und leicht sind und Video in Full-HD aufzeichnen können. «Wer benötigt denn heute noch ein zusätzliches Aufnahmegerät für Videos und Fotos? Ich hab’ doch mein Handy», meinte ein etwas jüngerer Kollege, als er die beiden Camcorder sah. Nach dem Vergleich einiger Testaufnahmen zog er seine Frage zurück. 

Gemeinsamkeiten

Natürlich gibt es diverse technische Verwandschaften:
Beide tragen das Full-HD Logo, können also Video bis 1920 x 1080 px (1080p) aufzeichnen. Beide zeichnen MP4 und iFrame Video sowie JPEG Bilder auf SD-, SDHC- und/oder SDXC-Speicherkarten auf (wobei SD nicht empfohlen wird, und die Geschwindigkeitsklasse mind. 4 sein sollte).

Weitere Gemeinsamkeiten:
Elektronischer Bildstabilisator
1 MOS Kamerasystem (unterschiedlicher Sensortyp!)
Autofokus
Automatischer Weissabgleich
HDMI Schnittstelle (Mini HDMI)
USB 2.0
Intelligente Automatik und Gesichtserkennung
YouTube und Facebook ready (eingebaute Software)


Aufgezeichnetes anschauen

Es gibt diverse Möglichkeiten, die aufgezeichneten Videos und Fotos anzuschauen. Die erste ist natürlich auf dem Display der Kamera (im Play Modus). Beide Modelle verfügen auch über eine Mini HDMI-Buchse. Mit einem entsprechenden Kabel kann man die Kamera direkt an einen Fernseher anschliessen (der DC10 liegt noch ein AV-Kabel bei, doch die Qualitätsverminderung ist gross).


Via USB-Buchse kann der Karteninhalt z.B. auf die Festplatte in einem Rechner kopiert werden (kann lange dauern). Die Speicherkarte kann über einen Cardreader in den Rechner kopiert werden. Neuere TV-Modelle verfügen über einen SD-Slot, der die Karte direkt lesen und deren Inhalt wiedergeben kann. Diverse Mediaplayer (vergl. Test PlayOn!HD2) bieten einen Kartenslot. Vorteil der letzten drei Methoden: Der Camcorder wird nicht benötigt, der Akku kann schon mal aufgeladen werden.

Los gehts

Höchstwahrscheinlich möchte man aufgenommene Videos etwas bearbeiten, bevor man sie auf die Menschheit loslässt. Im Lieferumfang der DC10 befindet sich eine CD mit einer Videoschnitt-Software für Windows-PCs und dem Hinweis, dass Mac User die neuste iMovie Version verwenden können.
Die beiliegende Windows Software konnte ich nicht testen, die iMovie Variante funktioniert problemlos. Es gibt bestimmt auch andere Computer-Programme, die MP-4 Dateien bearbeiten können.

Schauen wir uns die Testkandidaten einzeln an.

Panasonic HM-TA20

Die TA20, frisch ausgepackt

Meiner Frau gefiel sie auf Anhieb, die flache, orangefarbene HM-TA20. Und dabei waren es nicht die Spezialfunktionen (wasserdicht bis 3 m, stoss- und staubgeschützt), die sie beeindruckten, sondern das schlichte Äussere mit den wenigen Bedienelementen und dem grossen 7,6 cm Touchscreen.

Ich war da eher etwas skeptisch: Der ungeschützte, spiegelnde Touchscreen und die flache Handyform waren nicht nach meinem Gusto. Doch das sind Äusserlichkeiten. Wichtiger sind die inneren Werte.

Bevor man die TA20 benützen kann, muss man den eingebauten Lithium Ionen Akku aufladen. Ein Netz- resp. Ladegerät sucht man in der Schachtel vergeblich, das ist nur als Sonderzubehör erhältlich. Mit dem beiliegenden USB-Verlängerungskabel muss man das Gerät an die USB-Buchse eines Rechners anschliessen. Die Ladedauer beträgt laut Panasonic 4 h 20 min. Danach sollte man rund 50 Minuten Video mit natürlichen Unterbrüchen aufzeichnen können. Erfreulich ist, dass sich bei ausgeschaltetem Gerät der Akku kaum entlädt.

Der interne Speicher von ca. 10 MB ist nur für den «Notfall» vorgesehen und kann nicht im Nachhinein auf die Karte kopiert werden. Also benötigen wir eine SD-Speicherkarte wie oben erwähnt mind. der Klasse 4. SDHC-Karten gibt es  mit 4 bis 32 GB, SDXC-Karten mit 48 resp. 64 GB Speicher. Die Karte sollte richtig formatiert sein, was man am besten im Camcorder erledigt. Pro 4 GB kann man ca. 40 min. Video in Vollauflösung aufzeichnen.

Für Fotos stehen zwei Aufnahmeformate zur Verfügung: 4:3 (8,0 MP) und 16:9 (2,0 MP). Ich benützte zur Beurteilung das 8 MP Format.

Zusätzliche Goodies

Die Kamera kann auch als Webcam für Skype Videotelefonie verwendet werden.

Der Nachtmodus sowie die integrierte Videoleuchte ermöglichen (laut Datenblatt) den Einsatz rund um die Uhr. Das stimmt zwar, ist jedoch mit grösseren Qualitätseinbussen verbunden. Und die «Videoleuchte» ist eine weisse LED neben dem Objektiv, die nur bei wirklichen Nahaufnahmen etwas bewirkt. Aber immerhin: besser als nichts. 

Qualität

Ein leichter Blaustich wird vor allem bei rot und grün sichtbar.

Die Annahme, dass wo Full-HD draufsteht auch Full-HD rauskommt, stimmt zwar, doch gibt es grosse Unterschiede zwischen Full-HD-Resultaten. Die Pixelmenge ist zwar dieselbe, doch wie diese Pixel zustande kommen, hängt von der Sensorqualität ab.

Sowohl die Video- als auch die Fotoqualität sind ok, lösten jedoch keine Freudenschreie aus. Da die Kamera (im Videomodus) nur über einen erst noch minimalen Digitalzoom verfügt, den man meiner Meinung nach eigentlich «verbieten» sollte (digitales Zoomen vermindert ja nur die Bildqualität), ist die Bildgestaltung ziemlich eingeschränkt. Dafür kann man nahe an Objekte ran.

Die Farben sind etwas blaustichig, was je nach Wiedergabemedium (Computerbildschirm, TV, Papier) störend unnatürlich wirken kann. 

Hart im nehmen

Dank der widerstandsfähigen Bauweise (wasserdicht, staub- und stossgeschützt) und auch der einfachen Bedienung, dürfte die TA-20 zum beliebten Familienaufzeichnungsgerät werden: Man kann sie problemlos am Strand einsetzen, und sie darf sogar mal runterfallen.

Es ist die Kamera, die man auch den Kindern anvertrauen darf, die ja in den meisten Fällen alles fötelen und videölen möchten. Für diesen Zweck würde ich die Panasonic HM-TA20 beinahe vorbehaltlos empfehlen.

Und das beigepackte, flexible Kleinststativ ist in vielen Situationen eine echte Hilfe.

Reflektierendes Display: Urteilen Sie selbst.

Genervt

Beim Testen nervte mich das glänzende Display, das im Freien mehrheitlich das Gesicht spiegelt. Auch war das Display schnell mit Fingerabdrücken übersät.

Übrigens reagiert die Touchscreen Bedienung oft erst nach mehrmaligem Versuch. Das hat Vor- und Nachteile, nervt jedoch vor allem, wenn man eine herrliche Szene nicht verpassen möchte, aber noch etwas umstellen muss.

Für anspruchsvollere Einsätze wenden wir uns dem zweiten Testopfer zu.

Panasonic HX-DC10

Die HX-DC10 lässt zu Beginn mein Videoherz höher schlagen: Klein, handlich, geschütztes (wenn eingeklapptes) Display ... irgendwie gut in der Hand liegend, wenn sich auch der Handgriff mit aufgeklapptem Display etwas dünn anfühlt.

Natürlich erwartete ich nicht vergleichbare Bildqualität mit den xmal teureren, (semi)professionellen Videokameras ... doch gehen wir der Reihe nach.

Der Akku wird hier separat geliefert, ist also einfach zu ersetzen, sollte er seinen Geist endgültig aufgeben; auch kann man für intensiveren Einsatz einen aufgeladenen Ersatzakku mitnehmen. Gut.

Elegant und praktisch: Panasonic HX-DC10

Unter dem Akkufach befindet sich der Einschub für die (nicht im Lieferumfang enthaltene!) SD Karte. Zwei Anschlussbuchsen befinden sich unter einer Klappe auf der schmalen Rückseite: USB 2.0 und Mini-HDMI.

Mit dem beigepackten Netzteil + USB Kabel wird der Akku aufgeladen. 

Handhabung

Das Objektiv wird durch eine Plastikkappe geschützt, die man erst entfernen muss. Damit sie nicht verloren geht, ist sie mit einer Schnur mit der Kamera verbunden. Leider kann somit diese Kappe ins Bild hängen, etwa wenn man nach unten filmt. Im Weiteren ist der Umgang mit dieser Schutzkappe etwas umständlich.

Nach dem Öffnen des (leider reflektierenden) 76 mm Displays schaltet sich die DC10 automatisch ein. Alle Bedienelemente sind einfach mit dem Daumen erreichbar, allerdings nicht ohne dass dabei die Kamera bewegt wird. Ein zusätzlicher Rec/Stop-Taster im Handgriff würde das Problem lösen.

Die gesamte Bedienung ist für die meisten Situationen selbsterklärend. Somit kann man verkraften, dass die gedruckte Kurz-Bedienungsanleitung nur das Wichtigste enthält. Für tiefer gehende Informationen benötigt man das PDF File auf der beiliegenden CD.

Resultate

Alle Bedienelemente der DC10

Die Videoaufnahmen sind sowohl bei Tageslicht als auch im  normal beleuchteten Wohnraum überraschend gut. Im direkten Vergleich mit einem «ausgewachsenen» Full-HD Videocamcorder nicht ganz so Detail getreu, aber immer noch ausgezeichnet, vor allem, wenn man den Preis sowie Grösse und Gewicht in den Vergleich mit einbezieht. Auf alle Fälle konnte ich Resultate der beiden Vergleichsgeräte zusammenschneiden, ohne dass auf einem grösseren Plasmaschirm Qualitätsunterschiede gestört hätten.

Eher lange kann es dauern, bis der Autofokus scharf gestellt hat – zu lange, wenn man schnell etwas festhalten will.

Auch der automatische Weissabgleich könnte die Farben etwas natürlicher einstellen (auch hier stellte ich einen leichten Blaustich fest). Im Menü hat man jedoch die Möglichkeit, dies zu korrigieren.

Trotz dieser Einschränkungen scheint mir diese Kamera der ideale Reisebegleiter. Auch für Schnellschüsse bei Gelegenheiten, in denen ich die grössere Videokamera nicht mitschleppen will. Oder als unauffällige Zweitkamera für Gegenschüsse.

Seltsame Bildverzerrungen vor allem bei Schwenks liessen mich das Menü durchkämmen. Nachdem ich den elektronischen Bildstabilisator ausgeschaltet hatte, waren die Probleme verschwunden. Natürlich ist ein einfaches Stativ in jedem Fall empfehlenswert (sogar eines, wie im Lieferumfang der TA20).

Überrascht hat der Zoombereich: Offiziell hat die DC10 einen optischen 5fach Zoom. Dazu heisst es «advanced 12x» und digital (Sie wissen, den auszuschaltenden!) 120x. Ohne mein Dazutun war anscheinend «advanced 12x» aktiviert – und ich sah effektiv keine Bildverschlechterung auch bei vollem Heranziehen der Objekte. Chapeau, Panasonic! Eine echte Qualitätsbereicherung.

Fotos sind ebenfalls ausgezeichnet. Im Format 4:3 stehen max. 16 MP zur Verfügung, im 16:9 Format 12 MP. Die «Intelligente Automatik» (iA) sowie die automatische Gesichtserkennung sind (bei beiden Modellen) vorhanden, in gewissen Situationen bestimmt eine Erleichterung, können bei der DC10 jedoch deaktiviert werden, was z.B. für Macroaufnahmen notwendig ist. 

Die HX-DC10: Drehbares Display und loser Objektivschutzdeckel

Genervt

Auch bei der DC10 nervte mich das glänzende Display, doch kann es hier zumindest durch eine leichte Drehung «entspiegelt» werden.

Es war immer wieder der Objektivschutzdeckel, den ich ins Pfefferland wünschte. Es gibt mittlerweile wirklich elegantere Lösungen, die zwar aufwendiger sind, doch dafür die Nerven schonen.

Fazit

Beide Panasonic Modelle werden ihre Kundschaft finden:

Für Familien mit aktiven Kindern empfiehlt sich die robuste TA20, die auch einfach zu bedienen ist, jedoch nicht die vergleichbare Bildqualität bietet.

Die etwas fragilere DC10 eignet sich für alle, die auf die Robustheit der TA20 verzichten können, ihre Kreativität einsetzen möchten, sich auch mal mit weitergehenden Möglichkeiten vertraut machen wollen und auf bezahlbare Qualität setzen. Die DC10 hat aus meiner Sicht ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis.

PS: Die äusserlich kaum von der DC10 zu unterscheidende DC1 ist ein günstigeres Modell mit weniger Auflösung. Ganz neu ist die WA10, eine wasserdichte Variante der DC10.