Test

Joy to the world

14. Mai 2012

Revox Audio Netzwerk Receiver

Als «Audio Netzwerk Receiver der audiophilen Spitzenklasse» kündigt Revox sein neustes Kind an, das auf den Namen «Joy» hört. Neben dem hervorragend klingenden Verstärker bietet Joy die vielfältigen Möglichkeiten moderner Streamer und Mediaplayer.

Testkonfiguration

Um einen Verstärker der audiophilen Klasse optimal beurteilen zu können, sollte man passende Lautsprecher dazu benützen. Zusammen mit dem Revox Joy S119 und der Fernbedienung S208 erhielt ich ein Paar (farblich abgestimmte) Re:sound G shelf, eine Kombination, die von Revox auch als Vorteilspaket 03 angeboten wird. Die Klangbeurteilung wird sich also auf diese Kombination stützen, eine separate Beurteilung der Lautsprecher ist jedoch nicht vorgesehen.

Installation

ie ist denkbar einfach, die Erstinstallation: Nach dem korrekten Anschluss der Lautsprecher - was mit vorkonfektionierten Kabeln am sichersten und schnellsten funktioniert - verbindet man den Joy S119 Receiver entweder per Kabel oder WLAN (Aufschraubantenne liegt bei) mit dem Internet. An die diversen Eingänge auf der Rückseite schloss ich noch den Fernseher (analog) und den Blu-Ray Player (digital) an.

Der S119 muss nun noch mit dem Netz verbunden und der Netzschalter auf der Rückseite aktiviert werden.

Vergeblich suchte ich an der Fernbedienung (S208) nach einem Batteriefach: Sie verfügt intern über einen Akku, den man vor der Erstverwendung aufladen muss. Das geht entweder direkt via USB (z.B. über die Buchse eines Rechners oder des S119), mittels beiliegendem USB-Netzadapter oder in der ebenfalls mitgelieferten Ladeschale, die mit dem USB-Netzadapter verbunden wird. Da das beiliegende USB-Kabel lang genug ist, kann man die Fernbedienung schon während des Ladevorgangs benützen.

Allerdings: Wenn man die Fernbedienung verlegt oder der Hund sie verschleppt, ist Feierabend: Ohne S208 geht gar nichts ...

Zukunftsmusik

... ausser man besitzt ein iPhone. Dann wird man ab diesem Herbst mit der S232 full App das gesamte System bedienen können. Bereits an der High End in München Anfang Mai zeigte Revox eine S232 light App, mit der man browsen und seine Quellen auf einfache Art und Weise auswählen kann. Bedingung hierfür ist, dass das Gerät im «fast play» Modus ist. Ab September soll die erweiterte Version der App das Gerät auch aus normalen Stand by «aufwecken» können.

Ebenfalls für den Sommer ist die iPod Dockingstation geplant, die zugleich als Ladegerät dient.

Die iPod Dockingstation ist für diesen Sommer geplant.

Und dabei wird es nicht bleiben: Für Revox ist Joy ein Langzeitprojekt, das einerseits mit Softwareupdates und andererseits mit Hardware-Ergänzungen über Jahre hinweg sowohl auf den neusten Stand gebracht als auch an ändernde Bedürfnisse angepasst werden wird.
Airplay kann jedoch (momentan) nicht implementiert werden.

Doch zurück zum Test.

Funkverbunden

Um den Verstärker über die Fernbedienung einzuschalten, muss man die (vorprogrammierte) Schnelltaste 1 antippen. Nun wird die Funkverbindung zwischen S119 und S208 aufgebaut. Dieser Vorgang wird, wie alle Verbindungsvorgänge, unten rechts im rund 36 x 50 mm grossen Farbdisplay angezeigt wird.

Um die Akkulaufzeit zu verlängern, erlischt die Hintergrundbeleuchtung des Displays nach einer gewissen (programmierbaren) Zeit. Will man die Hintergrundbeleuchtung wieder aktivieren, genügt es, wenn die S208 bewegt wird, man sie wieder in die Hand nimmt. Es muss keine Taste gedrückt werden. Komfortabel.

Alle Informationen sind auf dem Farbdisplay der S208 Fernbedienung ersichtlich.

In den Grundeinstellungen wählte ich das Lautsprecher Setup. Alle Revox Lautsprechermodelle haben bereits optimierte Voreinstellungen. Nun muss man nur noch eingeben, wie sie im Raum plaziert sind (frei, Ecke, Wand), um vor allem die Tieftonwiedergabe anzupassen.

Weitere Bedienelemente

Hier auf alle Möglichkeiten der Fernbedienung im Detail einzugehen, würde zu weit führen. Deshalb beschränke ich mich auf die wichtigsten Zusatzfunktionen:

Die Software kann (in den Grundeinstellungen) via Download/USB oder direkt übers Internet (bei stabiler Verbindung) aktualisiert werden.

Nach dem Aufstarten erscheinen folgende wählbaren Menupunkte auf dem Display:

- Zuletzt gehört

- Meine Musik

- Radio

- USB/ iPod

- Musik Server

- Lokale Eingänge


Es ist denkbar einfach, einen Radiosender oder ein Musikstück in die Favoritenliste (Meine Musik) zu übertragen.

Das Farbdisplay ist die Zentrale und kann sogar farblich den eigenen Wünschen angepasst werden.

Ist ein iPhone (oder iPod) angeschlossen, kann man aus folgender Auswahl wählen:

- Playlists

- Artists

- Albums

- Songs

- Podcast

- Genres

- Composers

- Audiobooks


Es stehen zwei Weckerfunktionen sowie ein Kurzzeitwecker und ein Sleepmodus zur Verfügung.

Eingänge und Geräte lassen sich umbenennen: z.B. Aux-1 zu TV oder Coax-1 zu Blu-Ray.

Internetradio

Beim Erststart waren natürlich sowohl der Menüpunkt «Zuletzt gehört» als auch «Meine Musik» noch leer. Also wählte ich aus dem Hauptmenu den Punkt Radio aus. Nun konnte ich mich über eine Vielzahl von Kriterien bis zu meinem Lieblingssender durchklicken, den ich mit einem weiteren Tastendruck in meine Favoritenliste integrierte. Nach dem Verbindungsaufbau mit dem Sender wurde die Musik sanft eingeblendet. Was für ein Klang! Weich und doch präzise, klare, kräftige Bässe und transparente Mitten. Und dies bei Internetradio. Erstaunlich. Joy machte seinem Namen alle Ehre.

Als ich mich durch eine Vielzahl von Internetradiosendern klickte, konnte ich feststellen, dass die Bitzahl (Übertragungsrate) nicht unbedingt mit der Klangqualität einher geht: Da gibt es Sender, die mit 48 kbps hervorragend klingen, andere die mich trotz 128 kbps an alte Mittelwellenempfänger erinnern. Weil der Revox Verstärker so gut ist, hört man plötzlich, wie gross die Klangqualitätsunterschiede zwischen den Sendern sind.

Die meisten Radio- und Podcastsender im Internet verfügen über ein Stations-Logo.

Natürlich gibt es auch Informationsunterschiede: Die gut geführten Stationen haben nicht nur ein farbiges Logo, sondern übertragen auch alle relevanten Informationsdaten des gesendeten Musikstücks wie Interpret, Stücktitel, Albumtitel usw.

Allein die Unzahl möglicher Internetstationen, sei es Musik in sämtlichen Variationen, News, Wetterinformationen, Podcast zu allen erdenklichen Themen und vieles mehr, beschäftigt einen während Stunden, bis man sich endlich auf etwas festlegt. Dank der S208 Fernbedienung funktioniert die Suche nach etwas Passendem jedoch relativ schnell und reibungslos.

USB/iPod

Nun kam meine Musiksammlung auf Festplatte zum Einsatz. Neben MP3 in diversen Bitraten/Qualitäten gibt es auch FLAC, AAC und OGG-Vobis Dateien auf meiner kleinen USB-Harddisk. Leider wurde meine Freude an Joy etwas getrübt, da meine HFS+ (Mac) formatierte Festplatte nicht erkannt wurde.

Mehr Glück hatte ich mit meinem SanDisk MP3 Player, dessen Inhalt nach kurzer Einles-Zeit zur Verfügung stand, samt MP3 Tags und Cover Art, zwar klein (170 x 170 px), aber in Farbe. Auch hier war die Klangqualität hervorragend, bei mit 320 kbps gespeicherten MP3s vom CD-Original kaum zu unterscheiden.

Natürlich wollte ich auch die anderen AudioFormate testen. Dazu «opferte» ich einen USB Stick, kopierte ein paar Songs darauf und wurde wiederum mit begeisterndem Audio beglückt. Sogar das HD-Format FLAC 24 bit/96 kHz wurde abgespielt. Flac 24 bit/192 kHz zeigte dann allerdings einen Dateiformatfehler an, ebenso Apple Lossless.

Gapless, das Abspielen von Live-Aufnahmen ohne Unterbruch zwischen den einzelnen Stücken im MP3 Format, ist in der momentanen Softwareversion nicht implementiert.

Problemlos ist der Anschluss eines iPhones. Joy erkennt es sofort und zeigt den Audioinhalt an (Playlists, Artists, Albums usw.) Allerdings wurden bei meinem Versuch die Covers, die auf dem iPhone zu sehen sind, nicht ins S208-Display übertragen.

Die Cover Art wurde sowohl von meinem USB Stick als auch von meinem MP3 Player angezeigt.

Musik Server

Über LAN oder WLAN kann auf Netzwerk-Server zugegriffen werden, die den UPnP-AV Standard unterstützen, also auf NAS-Festplatten oder den heimischen PC resp. Mac, sofern dieser über eine UPnP Software verfügt.

TV-Sound

Wie eingangs erwähnt, verwendete ich zwei der sechs lokalen Eingänge für den Fernseher (analog) resp. den Blu-Ray Player (digital). Erst über die Joy Anlage wurden einem die immensen Qualitätsunterschiede in der Audioübertragung der diversen TV-Stationen so richtig bewusst gemacht. Einige Filme klangen via Satellit gleich imposant wie ab Blu-Ray, andere hatten einen enttäuschend dünnen Soundtrack.

Der Joy Receiver ist keine Surroundanlage. Trotzdem verarbeitet er gutes Ausgangsmaterial in eine beeindruckende Klangkulisse und erzeugt (im Gegensatz zu diversen getesteten Surroundanlagen) stets einen natürlich wirkenden, Bild unterstützenden Gesamtklangeindruck.

Als «lokale» Anschlüsse werden die analogen und digitalen Eingänge bezeichnet. Die WLAN Antenne ist abschraubbar und wird im Kabel-LAN-Betrieb nicht benötigt.

CDs

Der Joy besitzt ja kein integriertes Laufwerk, da er als Netzwerk Receiver konzipiert wurde. Mittels der diversen lokalen Anschlussmöglichkeiten steht der Verwendung eines externen Laufwerks jedoch nichts im Weg.

Eigentlich wollten wir nur schnell (und kritisch) in unsere Lieblings-CDs reinhören und ertappten uns, wieder einmal genüsslich sitzen zu bleiben. Ich wiederhole mich, ich weiss, aber der Musikgenuss mit Joy ist wirklich eine Freude.

Bedienung

Nachdem die Beurteilung der Audioqualität, die ja zum grössten Teil von der Hardware beeinflusst wird,  in allen Belangen als hervorragend abgehakt werden kann, verdient die Bedienung des Joy Receivers besondere Beachtung:

Alles steht und fällt mit der Fernbedienung (die iPhone App ist ja noch nicht verfügbar), wobei ich auch nur den momentanen Stand (Anfangs Mai 2012) beurteilen kann, denn die Software wird dauernd verbessert. Dabei werden, wenn möglich, Kundenwünsche berücksichtigt, die die Bedienung einfacher und eben kundenfreundlicher machen sollen.

Momentan gibt es noch einige Ungereimtheiten in der Bedienung, relativ komplizierte «Umwege», die vereinfacht werden sollten. Auch ist meiner Ansicht nach die Reaktionszeit, z.B. wenn ich einen lokalen Eingang wähle, zu langsam. So dauert es 25 Sekunden, bis der Fernsehton endlich zu hören ist - dafür wird er sanft eingeblendet. Es gibt allerdings eine Schnellstart Funktion, die perfekt funktioniert (Schaltdauer ca. 7 Sek.), doch verursacht die einen wesentlich höheren Standby-Verbrauch (4.5 W statt 0.5 W).

Übersichtlich, aber mit Softwareupdates noch weiter optimierbar.

Über die Tastatur kann man nicht nur die Eingänge umbenennen, sondern auch die Suche beschleunigen: Statt zu scrollen gibt man den ersten Buchstaben des gesuchten Wortes ein. Doch auch hier dauert es bis zu einer Reaktion wesentlich länger, als man sich von einem durchschnittlichen Rechner gewohnt ist.

Infrarot

Die Zweiwegverbindung zwischen dem S119 und der S208 beruht auf einem Funksignal. Doch die S208 Fernbedienung hat auch einen Infrarotsender eingebaut, mit dem sich Fremdgeräte wie z.B. Fernseher, Blu-Ray Player usw. bedienen lassen. Das einzige Problem ist, dass man diese Fremdgeräte nur über eine PC-Software aktivieren kann (momentan nur unter Windows XP und 7 möglich). Hier wäre eine Plattform unabhängige Internetlösung (wie z.B. bei Logitec) wesentlich benutzer-freundlicher.

Joy als Vorverstärker

Der Joy Receiver verfügt ja auch über Audio-Ausgänge: Neben einem geregelten Analogausgang für einen aktiven Subwoofer stehen ein geregelter Stereo-Analogausgang sowie ein koaxialer Digitalausgang zur Verfügung.

Der geregelte Stereoausgang ist speziell für eine externe Endstufe oder aktive Lautsprecherboxen vorgesehen. Für Musikabmischungen verwende ich seit über zehn Jahren zwei aktive Mackie HR824, die ich nun mit dem Joy Receiver Signal füttere. Ergebnis: Wie erwartet ausgezeichnet. Nur: Dann benötige ich ja eigentlich keine so gute Endstufe, wie sie im Joy Receiver steckt ...

Joy mit «Fremdboxen»

In den Grundeinstellungen des Joy Receivers befinden sich optimierte Anpassungen an sämtliche Lautsprecherboxen von Revox. Doch wie klingt Joy mit Fremdboxen? Um dies zu testen, schloss ich zwei völlig unterschiedliche Lautsprecherpaare an den S119, deren Klang ich im Zusammenspiel mit «normalen» (also nicht audiophilen) Verstärkern kannte. Es ist mir klar, dass verschiedene Lautsprecher unterschiedlich klingen - und es geht hier, wie schon eingangs erwähnt, ja nicht um eine Lautsprecherbeurteilung - doch war es offensichtlich, dass die Joy Endstufe aus beiden Paaren das Optimum rausholte, dass die selbe Musik ein Quäntchen besser (voller, klarer, angenehmer?) empfunden wurde ... und zwar von der Mehrheit der von mir zu einem Schnellvergleich bemühten Personen.

Vorzeigetechnik: Das Innenleben des Joy S119.

Daraus folgt

Der Joy Receiver von Revox baut die Brücke zwischen den heute meistverwendeten Audioquellen und audiophilem Sound.

Hardwaremässig gehört Joy zu den (wenigen) mit grösster Sorgfalt und Detailpflege entwickelten Audiogeräten, die auch einen dementsprechend guten Klang erzeugen können und erst noch erweiterbar bleiben. Dies und die Verarbeitungsqualität des S119 Receivers rechtfertigen den Preis absolut.

Die Bedienung mit der S208 Fernbedienung zeigt vielversprechende Ansätze, weist jedoch noch diverse verbesserungswürdige Details auf. Es funktioniert zwar (fast) alles schon jetzt, doch kann das Userinterface mit neuen Softwareupdates noch um einiges vereinfacht und komplettiert werden.

Gespannt sein darf man auf die für den Herbst angekündigte iPhone App, die eine weitere Brücke zu potentiellen Usern schlagen wird.