Test

Der Tausendsassa

1. Juni 2009

Zoom H4n Handy Recorder

Die japanische Firma Zoom entwickelt schon seit längerer Zeit Kleingeräte vor allem für Musiker. Der H4n ist ein SD Karten Recorder mit XLR-Eingängen und Phantomspeisung . Im Test entpuppte er sich als weit mehr denn ein Aufnahmegerät.

Als dritter SD Karten Recorder mit XLR-Eingängen und Phantomspeisung erreichte uns der H4n von Zoom. Er entpuppte sich als weit mehr denn ein Aufnahmegerät.

Die japanische Firma Zoom entwickelt schon seit längerer Zeit Kleingeräte vor allem für Musiker. Das Ansehen der Zoomgeräte war durchzogen.

Ich hatte schon lange kein Zoomgerät mehr aus der Nähe begutachtet und ging deshalb unvoreingenommen an diesen Test.

Erster Eindruck

Das Zoom H4n kommt in einer bunten Verkaufsbox daher, die auf der Rückseite schon so viele Informationen aufweist, dass sie mit Vorteil gleich als Schnellstarthilfe verwendet wird, denn im Gegensatz zu allen bisher getesteten Geräten liegt dem Zoom H4n nur eine englische Bedienungsanleitung bei, und auch im Internet habe ich kein deutsches PDF File gefunden*.

Dafür ist da Handbuch wirklich ein Buch ... 152 Seiten dick!

*Nachtrag: Als ich eben den Testbericht abliefern wollte, erhielt ich via Schweizer Vertretung die PDF-Datei des deutschen Handbuches. Dieses wird ab sofort den in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgelieferten Geräten beiliegen.

Mit in der Schachtel befinden sich eine 1GB SD Karte, ein Schaumstoffwindschutz, ein «Mic Clip Adaptor», der als Handgriff oder eben als Mikständerhalterung dient, ein Netzteil, ein USB Kabel sowie ein Schutz Case aus milchigem Halbhartkunststoff. 

Bunt verpackt und bereits als Quick Start verwendbar: Die Vor- und Rückseite der Verpackung.

Sozusagen als Bonus liegt noch eine DVD mit Cubase 4 LE bei (Mac und Windows). Der Recorder selbst macht einen robusten Eindruck, auch wenn mir die im x/y -Stereomodus angeordneten, ungeschützten Mikrofone im ersten Moment etwas verletzlich erscheinen.

Die Seiten und die Unterseite bestehen aus einem feldgrauen, gummiähnlichen Material, das kratzfest wirkt und rutscharm in der Hand liegt. Das Gesamtgewicht (inkl. eingelegte Akkus) von 344 g verstärkt den Qualitätseindruck.

Das rund 45 x 30 mm grosse Display enthält die wichtigsten Informationen und ist übersichtlich und aufgeräumt. 16 Sekunden nach dem Einschalten ist der Zoom H4n betriebsbereit, und ich versuche gleich einmal, eine Stereoaufnahme mit den eingebauten Mikrofonen, die problemlos und ohne Handbuch klappt und erst noch ausgezeichnet klingt. Diese internen Mikrofone sind wirklich überraschend gut.

Der erste Eindruck dieses mit SFr. 569.00 günstigsten der drei getesteten Recorder ist überzeugend.

Sollten mehr Verwendung finden: 

Kombibuchsen XLR-Klinke

Ausstattung

Beginnen wir bei den Anschlüssen: Da erhält der H4n ein erstes Lob für die Kombibuchsen (XLR und Klinke kombiniert). Die Klinkenbuchsen sind als Keyboard- resp. E-Gitarren-Eingang ausgelegt.

Ein typischer Linieneingang fehlt allerdings. Ebenso fehlt ein echter Linienausgang. Der Kopfhörerausgang (auf der linken Seite) dient zugleich als Stereolinienausgang (Mini-Stereoklinke), was mich eher etwas befremdet.

Doch das Audiomaterial kann ja in digitalem Format in den Rechner übertragen werden. 

Zwischen den Kombisteckern befindet sich der Anschluss für das mitgelieferte Netzteil.

Leicht zu übersehen ist der zusätzliche Mikrofoneingang (Mini-Stereoklinke) auf der Unterseite, der die internen Mikrofone ausschaltet. Ein etwas seltsamer Ort für einen Mikrofonanschluss.

Als letzte Buchse sei der USB 2 Anschluss erwähnt, über den der H4n sowohl als Kartenleser als auch als USB Audiointerface eingesetzt werden kann, z.B. in Verbindung mit dem beiliegenden Cubase 4 LE. 

Ideal gelöste Menüsteuerung und «Problemschacht» auf der linken Seite.

Auf der rechten Seite befinden sich der SD-Karten Schacht (eine Warnung dazu später!), ein Wippschalter für den Aufnahmepegel sowie die ausgezeichnete Menübedienung: Ein Druck auf die Menutaste ruft das Menü auf, mit dem Rad wählt man das gewünschte Menü an und drückt dann auf das Rad, welches wie eine Enter Taste funktioniert.

Alle Einstellungen sind so mit dem Daumen (für Rechtshänder) zu erledigen. Super.

Auf der linken Seite finden wir neben den bereits erwähnten Phones/Line- und USB-Buchsen den Anschluss für die separat erhältliche Fernbedienung, die Wipptaste für die Ausgangslautstärke und den kombinierten Ein/Aus-Hold-Schieber.

Die auf der Front im X/Y-System angeordneten Mikrofonkapseln können durch leichte Drehung den Aufnahmewinkel von 90º zu 120º verbreitern. 

Nur eine einzige Audioausgangsbuchse: Die Kopfhörer/Line out Miniklinke.

Modi

Der H4n verfügt über drei (resp. vier) Modi: Stereo (Stamina), 4-Kanal und Multitrack. Oberhalb des Displays zeigen drei rote LEDs den gewählten Modus an.

Im Stamina Modus wird die Batteriedauer beinahe verdoppelt (von 6 auf 11 Std. laut Hersteller), doch werden die Einstellmöglichkeiten drastisch reduziert.

So eignet sich der Stamina Modus vor allem für lange Stereoaufzeichnungen (Konzerte) ohne Limiter usw.

Der Stereomodus ist selbsterklärend: Man wählt eine Stereo-Quelle (interne Mikrofone oder externe Quelle) steuert aus und nimmt auf.

Im 4-Kanal Modus kann man mit 2 Stereo-Quellen arbeiten, z.B. ext. Mikrofone fürs Orchester und int. Mikrofone für die Ambiance. Beide Quellen können unabhängig ausgesteuert und mit beliebigem Kompressor oder Limiter bedient werden.

Es werden zwei Stereodateien geschrieben, die im Kopfhörer als Mix zu hören sind.

Ich habe eine solche Test-Aufnahme in Final Cut Pro importiert und daraus eine Art Surround Sound produziert, was das Konzertvideo überraschend aufpeppte. Natürlich sind auch andere Kombinationen denkbar z.B. Band und Gesang uvm.

Die Mischung der zwei Stereospuren kann dann im Rechner (z.B. mit Cubase) vorgenommen werden, über den H4n Kopfhörer hört man alle vier Spuren als Stereomix.

Übersichtlich und aufgeräumt: Die Bedienungselemente auf der Frontseite.

Multitrack Modus

Normalerweise würde ich für Multitrack Aufnahmen natürlich den Rechner bemühen, doch wollte ich wissen, wie einfach (oder kompliziert) eine simple, mehrstimmige acapella Improvisation aufgezeichnet werden kann.

Nachdem ich über ein, zwei Kleinigkeiten gestolpert war, gelang mir eine solche Aufnahme ohne Handbuch in kürzester Zeit, inklusive Lautstärkenregulierung und Pan der einzelnen Tracks.

Diese lassen sich separat in den Rechner verschieben und können in Cubase, Logic o.ä. weiterverwendet werden.

Im H4n lassen sich die Spuren auch in ein Stereo- oder Monofile «bouncen», und danach kann man weitere Spuren dazu aufzeichnen.

Ich bin fasziniert, ja direkt begeistert. Das Zoom H4n ist weit mehr als nur ein Audio-Ideensammler. Und einmal mehr überzeugen die internen Mikrofone.

Die Frontmikrofone sind aufnahmetechnisch ideal montiert

Multitrack Modus

Normalerweise würde ich für Multitrack Aufnahmen natürlich den Rechner bemühen, doch wollte ich wissen, wie einfach (oder kompliziert) eine simple, mehrstimmige acapella Improvisation aufgezeichnet werden kann.

Nachdem ich über ein, zwei Kleinigkeiten gestolpert war, gelang mir eine solche Aufnahme ohne Handbuch in kürzester Zeit, inklusive Lautstärkenregulierung und Pan der einzelnen Tracks.

Diese lassen sich separat in den Rechner verschieben und können in Cubase, Logic o.ä. weiterverwendet werden.

Im H4n lassen sich die Spuren auch in ein Stereo- oder Monofile «bouncen», und danach kann man weitere Spuren dazu aufzeichnen.

Ich bin fasziniert, ja direkt begeistert. Das Zoom H4n ist weit mehr als nur ein Audio-Ideensammler. Und einmal mehr überzeugen die internen Mikrofone.

Audioqualität

Ohne Vergleich zu anderen Recordern empfand ich die Audioqualität als gut bis sehr gut.

Im exakt gleichen Setup (mit Schoeps MSTC 64 U) und im direkten Vergleich mit dem Marantz 661 und dem Tascam DR-100, die beide identisch klangen (Tascam ohne Limiter!) war die Klangfarbe des H4n etwas anders.

Es war, als ob man verschiedene Mikrofone der gleichen Kategorie miteinander vergleicht. Der Unterschied ist schwierig zu beschreiben, da nicht immens, doch dürften Ausdrücke wie «kompakter» oder «etwas mehr Mitten betont» am ehesten zutreffen. Und zwar war dieser Unterschied mit oder ohne Limiter genau gleich.

Um der Audioqualität noch weiter auf den Grund zu gehen, entschied ich mich zu einer zusätzlichen Live Aufnahme eines klassischen Konzertes mit Chor und Orchester mit den internen Mikrofonen.

Ergebnis: An der Audioqualität gibt es nichts zu rütteln. Als Extremversuch pumpte ich eine leise Passage ganze 15 dB hinauf ... das Grundrauschen war immer noch minim.

Compressor/Limiter

Der H4n verfügt über drei Compressor Presets (General, Vocal, Drums) und drei Limiter Presets (General, Concert, Studio).

Was die drei Presets genau machen, fand ich nirgends im Handbuch. Mit Trial+Error Aufnahmen versuchte ich die Unterschiede der drei Limiter Presets zu ergründen. Interessant ist generell, dass die Limiter nicht einfach begrenzen/abschneiden.

Man kann immer noch übersteuern, was wunderbar durch ein Flackern der roten Input-Tasten angezeigt wird (und zwar flackert nur der betroffene Kanal!), die Verzerrung klingt dann aber eher analog.

Je nach Quelle arbeiten zwei der drei Limiter eher als Compressor, es ist also ein Pumpen hörbar.

Der Studiolimiter ist der sanfteste, doch würde ich für Konzertmitschnitte auch beim H4n eher konservativ aussteuern und den Limiter nur als Rettungsring benützen. 

Gut organisiert

Die Folder/Filestruktur ist bereits vorgegeben: Für jeden der drei Modi gibt es einen Hauptordner, in dem bereits Unterordner platziert wurden (im Multitrack Ordner werden Projektordner generiert).

Im ersten Moment kann dies zu Verwirrungen führen («wo ist denn meine eben aufgezeichnete Datei geblieben?»), doch nach einiger Zeit ist man froh, dass die Dateien schon geordnet wurden, vor allem Chaoten wie ich.

Die Dateien werden entweder nummeriert oder mit dem Datum versehen. Natürlich kann man sie später umbenennen, was am einfachsten via USB mit der Rechnertastatur geschieht.

Speicherkarten

Wie eingangs erwähnt, ist eine 1GB SD Karte im Lieferumfang enthalten, was ca 90 Minuten Stereo mit 44.1 kHz/16 bit aufzeichnen lässt.

Da sich diverse Konkurrenzprodukte nicht mit SD Karten aller Hersteller «füttern» lassen, wollte ich wissen, wie der H4n auf meine Sandisk 4GB SDHC, die ich normalerweise in der Fotokamera benütze, reagiert. Das Formatieren dauerte etwas, doch dann lief alles problemlos. Gut. 

USB

Normalerweise wird ein USB Gerät kurz nach der Verbindung vom Rechner erkannt. Nicht so das H4n.

Da USB auf zwei verschiedene Arten genutzt werden kann, muss man im Menü wählen, ob man die Storage oder die Interface Funktion aktivieren will.

Erst nachdem Storage aktiviert ist, erscheint die Karte als externes Laufwerk auf dem Desktop. 

Eisbergspitze

Wie das 152-seitige Handbuch erahnen lässt, habe ich nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten des H4n ausgelotet.

Dass zusätzlich noch eine riesige Palette von Effekten, Simulationen, Stimmgeräten uvm. integriert sind, macht diesen Recorder vor allem für kreative Musiker interessant.

Das mitgelieferte Cubase 4 LE zusammen mit der Tatsache, dass der H4n auch als direktes USB Audio-Interface benutzt werden kann, um Gitarre, Bass und Synthi oder aber auch andere analoge Audioquellen in den Rechner zu bringen, ist mehr als eine nette Zugabe.

Und dass diese USB-Audio-Interface Funktion problemlos funktioniert, habe ich in einem kurzen Versuch mit meinem Mac und diversen Audioprogrammen getestet. Das H4n wird (als H4) ohne zusätzlichen Treiber sofort erkannt und in die Input Liste aufgenommen. 

Mängel

Ich konnte während der Testphase keine wirklichen Mängel entdecken, doch gibt es einen Schwachpunkt, den ich doch erwähnen möchte: Wenn man stark auf die Abdeckung des SD-Kartenschachtes drückt, löst dies die Karte aus, was eine allfällig eben getätigte Aufnahme ungespeichert im Daten-Nirwana verschwinden lässt.

Doch wenn man vernünftig mit dem Recorder umgeht, sollte dies nicht passieren.

Und wenn ich schon am kritisieren bin, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass das Handbuch vielleicht wegen seiner 152 Seiten meiner Meinung nach nicht immer benutzerfreundlich verfasst wurde, dass man vieles nicht findet, diverses unerklärt bleibt und das Inhaltsverzeichnis rudimentär ist.

Schade, denn so werden einige der Möglichkeiten wohl nie oder falsch genutzt werden. 

Fazit

Der Zoom H4n ist wesentlich mehr als ein Stereo-Recorder - man kann ihn getrost als «Kreativ-Maschine» bezeichnen.

Er ist stabil und übersichtlich gebaut (Ausnahme siehe «Mängel»), hat zwar gewisse Einschränkungen in den Anschlüssen, bietet dafür eine reiche Palette von Zusatzmöglichkeiten, die viele Musikerherzen höher schlagen lässt.

Die Qualität der internen Mikrofone sowie die Möglichkeit, den H4n als reines USB-Audiointerface zu nutzen, relativieren den schon günstigen Preis nochmals.

PS: Der H4n wurde mit der Softwareversion 1.01 ausgeliefert. Der Test wurde jedoch mit der Version 1.3, die jeder selbst aus dem Internet holen und auf einfache Weise installieren kann, gemacht.